Meine nächste Reise auf AIDA

Meine nächsten Workshops an Bord finden vom 22. November bis 20. Dezember 2017 auf AIDAcara statt.

Donnerstag, 1. Oktober 2009

Ein paar Worte

zu den im Titel erwähnten Geschichten.
Wie bekannt ist, leben wir schon einige Jahre in Spanien, in einer Gegend in der sich Leute der verschiedensten Nationalitäten angesiedelt haben. Die Unterschiede untereinander sind klein aber fein und das führt so manches Mal zu Situationen, die zum Schmunzeln oder auch zum Nachdenken anregen. Auch beim Eingewöhnen gab es so manche nette Episode. Ich versuche, diese Anekdoten in Kurzgeschichten festzuhalten. Hier eine kleine Kostprobe:

Seit einigen Jahren arbeite ich in einer kleinen, regionalen Immobilienfirma an der Costa Blanca. Es gibt ein Hauptbüro in der nächsten Stadt und eine Zweigstelle in der Urbanisation „El Sueño“. Wir sitzen direkt auf der Baustelle, na gut, mit den Jahren hat sich die Baustelle etwas von uns wegbewegt, wir haben nicht mehr den direkten Baulärm vor der Tür aber trotzdem sind wir noch dicht dran am Baugeschehen. Mit dem Ohr an der Menge, freiwillig oder nicht, erfährt und erlebt man so manches Geschichtchen. Gedrängt von Bekannten und Verwandten entstand so diese Sammlung.

Van Klaas

Das Telefon klingelt: Spanien Immobilien, womit kann ich Ihnen helfen?
- "Hier ist die Lokalpolizei. Kommen Sie bitte zum Grundstück 96. Wir brauchen Sie hier für eine Identifikation."
-"Was ist passiert?"
-"Kommen Sie her, dann werden Sie sehen."

Ich fahre also zum Grundstück 96. Dort wohnt seit knapp einem Jahr Familie Van Klaas. Beide großgewachsen, kräftig und sehr resolut. Sie sind typische Holländer, das heißt, sie sind sehr direkt in ihrer Art, Frau Van Klaas noch mehr als er.

Dort angekommen, öffnet ein Polizist die Tür. Ein anderer steht vor dem Sofa, auf dem die Eigentümer des Hauses wie Häufchen Unglück sitzen. Der Polizist hat eine dicke Beule an der Stirn und wirkt nicht gerade freundlich. Als ich das Wohnzimmer betrete, versucht Frau Van Klaas aufzustehen, wird aber vom Polizisten daran gehindert.

Ich gucke etwas verständnislos zu seinem Kollegen, den ich von anderen Aktionen her kenne. Er fragt: "Kennst Du diese Personen?"
- "Ja, das sind die Eigentümer. Was ist denn los?"
- "Wir wurden zu einem vermeintlichen Einbruch gerufen und diese Frau hat meinen Kollegen mit einer Bratpfanne angegriffen."

Nun sehe ich die Pfanne auch auf dem Tisch stehen. Frau Van Klaas beginnt zu reden wie ein Wasserfall. Aus der Flut entnehme ich, daß sie einkaufen waren. Beim Betreten des Hauses haben sie vergessen, die Alarmanlage auszuschalten. Als der Alarm losgeht, versucht Herr Van Klaas den Code einzugeben, irrt sich in der Aufregung aber mehrmals. Erst nach fünf oder sechs Anläufen gelingt es ihm, den Lärm abzustellen. Während seiner Fehlversuche ruft die Alarmzentrale bei ihnen an, Frau Van Klaas geht ans Telefon, versteht nicht, was dort gefragt wird, ruft hysterisch etwas in niederländisch und hat natürlich auch das Codewort vergessen.

Die Alarmzentrale hat, da sie einen Einbruch vermutet, die Polizei benachrichtigt. Die Polizisten nähern sich dem Haus, ohne zu klingeln. Frau Van Klaas hat jemanden gehört und postiert sich hinter der Eingangstür mit einer Bratpfanne in der Hand. Als der eine Polizist die Tür öffnet und durch den Spalt guckt, erhält er einen Schlag vor den Kopf.

Die Reaktion der Polizisten folgt auf dem Fuße, beide werden überwältigt und auf das Sofa verfrachtet. Da beide wirklich nicht nach einem Einbrecherpärchen aussehen, fällt dem mir bekannten Polzisten ein, daß es ja noch unser Büro gibt und daß wir vielleicht diese Personen kennen. So kam ich also dazu.

Nachdem das geklärt war, begann Herr Van Klaas, ein typischer Choleriker, sich aufzuregen und mit einer Anzeige gegen die beiden Polizisten zu drohen, da sie widerrechtlich sein Haus betreten hätten. Es kostet mich einige Mühe, ihm zu erklären, daß er mit dem Vertrag über die Alarmanlage auch einem Polizeieinsatz zugestimmt hat, denn was hätte er gesagt, wenn wirklich ein Einbruch passiert wäre. Als der verletzte Polizist mitbekommt, daß sich Herr Van Klaas ereifert, droht er seinerseits mit einer Anzeige wegen tätlichen Angriffs auf einen Polizisten. Nun muß ich also auch noch die Staatsgewalt beruhigen. Ich versuche dem Polizisten zu erklären, daß diese Familie noch unerfahren im Umgang mit Alarmanlagen ist und so verunsichert, wie sie waren, nicht mehr klar denken konnten. Gut, daß das Familie Van Klaas nicht verstanden hat, denn sonst hätten sie mich noch gelyncht. Es geht noch etwas hin und her, wobei ich versuche, bei den Übersetzungen die Schärfe herauszunehmen und so zu einer Einigung zu kommen. Letztendlich verzichten beide Parteien auf eine Anzeige und Frau Van Klaas lädt die beiden Polizisten zu einem Kaffee ein, den sie dann auch annehmen.

Das ist eine der Kurzgeschichten von Anna Bird, die in verschiedenen Anthologien bei Visionart leider bisher nur als E-Book erschienen sind. http://www.visionsart.de/

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